Lebenslanges Lernen (auch) mit Open Educational Resources (OER)

Im Interesse von lebenslangem, nicht zeit- und ortsgebundenem Lernen werden unsere öffentlichen Schulen sämtliches Lehr- und Lernmaterial auf Lernplattformen allen Lernwilligen zur Verfügung stellen.

Wie die Rektoren der Kantonsschule und der Berufsschule mitteilen werden1, verfolgen die beiden kantonalen Schulen in Zukunft eine konsequente OER-Strategie. Konkret werden folgende Massnahmen umgesetzt:

Alle Lehrpersonen werden das von ihnen entwickelte Unterrichtsmaterial wie Arbeitsblätter, Präsentationen, Lehrgänge etc. in einer von der Schule bewirtschafteten digitalen Schulbibliothek verwalten und interessierten Personen über das Internet unter freier Lizenz zur Verfügung stellen. Neue Lehrgänge werden, wenn immer möglich, auf und für interaktive Lernplattformen entwickelt,  mit denen Lerninhalte bereitgestellt und Lernvorgänge organisiert werden. Input-Lektionen wie Referate, Erläuterungen, Erklärungen, Einführungen in ein Thema werden aufgezeichnet und ebenfalls auf Lernplattformen verfügbar gemacht. Unterrichtsmaterialien können von Benutzerinnen und Benutzern mit zusätzlichen Informationen wie Beurteilungen, Ergänzungen und Erweiterungen, Kommentare und Hinweise etc. angereichert werden. Beim Einkauf von Unterrichtsmaterial bei Dritten wird darauf geachtet, ob und dass dieses ebenfalls als OER für Lernende verfügbar gemacht werden kann.

Mit diesen und anderen Massnahmen können folgende Ziele erreicht werden:

Schülerinnen und Schüler können zusätzlich zum Unterricht unabhängig von Zeit und Ort lernen, repetieren und ihre Kompetenzen festigen und erweitern. Lernwillige Dritte haben die Möglichkeit, sich Wissen und Können aus den Bereichen der gymnasialen und der Berufsbildung anzueignen und sich aus- und weiterzubilden. Der volkswirtschaftliche Nutzen von OER ist offensichtlich. Statt lediglich einem beschränkten Personenkreis von Nutzen zu sein,  können Unterrichtsmaterialien breiten Bevölkerungsschichten dazu dienen, zusätzliche Kompetenzen zu erwerben, ohne zusätzliche Kosten zu verursachen. Durch die zusätzliche Möglichkeit, Unterrichtsressourcen mit  Erweiterungen und Ergänzungen anzureichern, steigt die Qualität des Materials laufend. Ungeeignetes Material wird mit den Beurteilungen und Kommentaren als solches bezeichnet und kann ausgeschieden werden.

1 Leider wollen sich die beiden Rektoren zur Zeit noch nicht mit einer konsequenten Umsetzung dieser OER-Strategie beschäftigen. Im Gegenteil: Wie mir der Rektor der Berufsschule per Mail mitteilt, würde er mit seinen Erfahrungen "die Aussagen, die du [Robert Koller] uns in den Mund gelegt hast, nie machen". Ich bin jedoch zuversichtlich, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis sich die kantonalen Schulen mit solchen Fragen und Konzepten beschäftigen werden und ihr - im Wesentlichen von der öffentlichen Hand finanzierte - Unterrichtsmaterial einem breiteren Kreis von Interessenten verfügbar machen werden.

Bitte beachten Sie auch den Artikel Unterrichtsmaterial und ICT.

Schulen in Ausserrhoden schrumpfen und schrumpfen

Mit der Regionalisierung der (Sekundar-)Schulen nimmt man in Kauf, dass die Attraktivität der betroffenen Gemeinden weiter sinkt, was zu noch mehr Abwanderung führt. Das muss nicht sein. Es gibt Alternativen.

Gemäss Bundesamt für Statistik nehmen die Schülerzahlen bis 2020 schweizweit wieder zu; in Ausserrhoden hingegen sinken sie. Diese Entwicklung verläuft, leicht verzögert, parallel zur Entwicklung der erwerbsfähigen Bevölkerung.

Das veranlasst Behörden und Politiker nach neuen Lösungen für die dörflichen Sekundarschulen zu suchen. Leider zielen die vorgeschlagenen Lösungen nur in eine Richtung: Die dörflichen Sekundarschulen sollen zu regionalen zusammengelegt werden. Einige der Ausserhoder Gemeinden sollen also auf die Weiterführung von eigenen (Sekundar-)Schulen verzichten.

 

Diese einseitige Ausrichtung trägt nicht dazu bei, das Grundproblem der Abwanderung in Ausserrhoden zu lösen. Im Gegenteil: Die obligatorische Schule nicht mehr im eigenen Dorf zu haben, vermindert die Wohakttraktivität insbesondere für die erwerbstätige Bevolkerung mit Kindern, was zu noch mehr Abwanderung führt und längerfristig auch den Erhalt der Primarschule im Dorf gefährdet.

Meines Erachtens liegt die Lösung in einer Schulentwicklung hin zu altersdurchmischtem und individualisiertem Unterricht. Herisau macht das, obwohl die Sekundarschule nicht gefährdet ist, mit dem Projekt "Neigung" vor. In anderen Gemeinden, beispielsweise in Grub, wurde für die Primarschule aus der Not bereits eine Tugend gemacht.

Einige werden sich noch errinnern, dass diese Modelle für "individuelle Förderung" in "altersdurchschmischten Klassen" nicht neu sind. Zu Zeit, als die Schulhäuser noch dort standen, wo die Kinder wohnten - oder umgekehrt - waren "Gesamtschulen", wie sie damals hiessen, noch an der Tagesordnung. Dem vermehrten administrativen und organisatorischem Aufwand kann heute, im Gegensatz zu früher, mit ICT-gestützer Organisation und Administration begegnet werden.

Wenig sinnvoller Mitteleinsatz an der Schule G...

Unverständlicherweise werden nach wie vor Gelder in fette und wartungsaufwändige ICT-Infrastrukturen investiert, obwohl die verlangten Serverdienste mittlerweile im Internet verfügbar sind; mit höherer Verfügbarkeit zu weit geringeren Kosten.

Der Gemeinderat von G hat kürzlich einen Kredit von ca. 150'000 Franken für die ICT-Infrastruktur seiner Schule bewilligt. Diese Tatsache allein ist noch nicht weiter auffällig. Setzt man hingegen diesen Betrag ins Verhältnis zur Anzahl der Schülerinnen und Schüler von gut 200, ist diese Investition beachtlich; ergibt das doch rund 750 Franken pro Schülerin oder Schüler.

Wer nun glaubt, dass in G jetzt praktisch jede Schülerin und jeder Schüler über einen Laptop verfügt, täuscht sich leider. Die PC-Dichte in G ist nicht grösser als an anderen Schulen.

In G sind die Schulklassen, wie anderorts auch, in verschiedenen Lokalitäten untergebracht. Die Projektgruppe hat nun in Zusammenarbeit mit einem externen "Fach"-Mann eine Lösung erarbeitet, die im Kern von zentralen, schuleigenen Servern für Benutzerverwaltung, Datenablage, Maildienste, Softwareaktualisierungen, Schuladministration etc. ausgeht. Damit das Konzept aufgeht wurde es aber notwendig, die verschiedenen Lokalitäten mit Glasfasern zu erschliessen.

Die Projektgruppe liess sich offensichtlich nicht davon überzeugen, dass die gewünschten Serverdienste zu keinen oder weit tieferen Kosten aus dem Internet, beispielsweise von dem von den Kantonen mitfinanzierten "Schweizerischen Bildungsserver" oder von anderen Anbietern bezogen werden könnten. Zudem würde Swisscom im Rahmen ihres Angebotes "Schulen ans Internet" sämtliche Schulhäuser kostenlos ans Internet anschliessen ....

Die Schule G hat sich mit diesem Entscheid nicht nur gegen günstigere  web-basierte Lösungen entschieden, sondern sich für die nächsten Jahre auch bedeutend höhere Unterhaltskosten eingehandelt. Muss sie doch den Unterhalt dieser "fetten Infrastruktur" selbst finanzieren. Zudem sind fette Infrastrukturen viel störungsanfälliger und die Verfügbarkeit ist mit Sicherheit deutlich geringer als bei schlanken Infrastrukturen und Services aus dem Internet (Cloude-Services).

Schade, mit diesen Steuergeldern hätten die Behörden von G bedeutend mehr für die Integration von ICT in den Unterricht, die Vor- und Nachbereitung von Unterricht, sowie in die Organisation von Unterricht und Schule tun können. Siehe auch Infrastruktur-Modell ....